Was KI prinzipiell nicht kann: Berechenbarkeit, Komplexität, Lerngrenzen
Manche Versprechen an KI scheitern nicht an fehlender Rechenleistung oder zu wenig Daten, sondern an mathematisch beweisbaren Schranken. Dieser Seminartag führt von der Turing-Maschine und dem Halteproblem über die Komplexitätsklassen P und NP bis zum No-Free-Lunch-Theorem und erklärt, warum Halluzinationen zum Wesen lernender Systeme gehören. Übungen, eine Diskussion und eine Fallstudie übertragen die Theorie auf reale KI-Vorhaben. Wer danach eine Machbarkeitsbehauptung hört, kann sie an diesen Grenzen messen.
- Dauer1 Tag
- OrtBei Ihnen vor Ort oder live-online
- TeilnehmendeNur Ihr Team, keine offenen Termine
- BereichKI-Strategie & Grundlagen, KI-Technik & Entwicklung
Für wen
Technisch und wissenschaftlich interessierte Personen, die verstehen wollen, wo die grundsätzlichen Grenzen künstlicher Intelligenz liegen.
KI-Tagesseminar · 1 Tag
Beweisbare Schranken von KI erkennen und Projekterwartungen daran ausrichten
Das nehmen Sie mit
- Unentscheidbare und praktisch unlösbare Aufgaben lassen sich von solchen unterscheiden, die nur mehr Rechenzeit brauchen.
- Problemstellungen ordnen Sie nach ihrer Schwierigkeit ein und erkennen, wann eine Näherungslösung der sinnvolle Weg ist.
- Halluzinationen und das No-Free-Lunch-Theorem werden als strukturelle Eigenschaften lernender Systeme verständlich.
- Für Gespräche über die Machbarkeit von KI-Projekten haben Sie belastbare Argumente zur Hand.
Ablauf
- Teil 1
Modul 1 – Theoretisches Fundament: Turing-Maschine und Unentscheidbarkeit
- Die Turing-Maschine als Modell dafür, was sich überhaupt algorithmisch berechnen lässt
- Halteproblem: weshalb kein Programm für beliebige andere Programme entscheiden kann, ob sie anhalten
- Unentscheidbarkeit und ihre Folgen für KI-Systeme, die selbst Programme sind
- Vorführung: eine Aufgabe, die sich grundsätzlich keinem Algorithmus übertragen lässt
- Standortbestimmung: wo Sie heute die Grenze dessen ziehen, was KI leisten kann
- Teil 2
Modul 2 – Rechenaufwand: P, NP und Näherungsverfahren
- Die Komplexitätsklassen P und NP und ihre praktische Bedeutung
- Kombinatorische Explosion: Rechenzeiten, die jede realistische Dauer übersteigen, auch mit enormer Hardware
- Approximation als Ausweg: gute statt optimale Lösungen in vertretbarer Zeit
- Übung: Aufgaben wie Sortieren, Tourenplanung oder Stundenplanerstellung nach Schwierigkeit einstufen
- Teil 3
Modul 3 – Lernende Systeme: Was aus Daten nicht folgt
- No-Free-Lunch-Theorem: kein Lernverfahren schneidet über alle denkbaren Aufgaben hinweg besser ab
- Zusammenhänge, die sich aus Beobachtungsdaten grundsätzlich nicht erschließen lassen
- Halluzination als strukturelles Phänomen statt als behebbarer Einzelfehler
- Weshalb es kein Modell geben kann, das jede Aufgabe beherrscht
- Übung: an vorgegebenen Beispielen bestimmen, welche Grenze jeweils greift
- Teil 4
Modul 4 – Urteilsbildung: Versprechen und begründete Erwartung
- Marketingaussagen über KI von fundierten Erwartungen trennen
- Aufgaben, die auch künftig beim Menschen liegen
- Diskussion: Grenzen und Chancen von KI im Abgleich
- Eigene Erwartungen an KI auf ein realistisches Maß kalibrieren
- Teil 5
Modul 5 – Projektpraxis: Konsequenzen für KI-Vorhaben
- Was die Schranken für Zielsetzung, Zuschnitt und Erfolgskriterien von KI-Projekten bedeuten
- Fallstudie: eine überzogene Erwartung an ein KI-Projekt entzaubern
- Den Spielraum innerhalb der Grenzen gezielt ausschöpfen
- Souverän mitreden, wenn im Projekt über Machbarkeit gestritten wird
- Fahrplan: wie Sie KI-Vorhaben künftig nüchtern und begründet einschätzen
VoraussetzungenWer Grundlagen in Mathematik oder Statistik mitbringt, folgt leichter. Programmiererfahrung wird nicht zwingend vorausgesetzt.
AbschlussTeilnahmezertifikat und digitales Badge